Werden jetzt die schwarzen Schafe geschützt?

Weiterhin kein effektiver Verbraucherschutz am Immobilienmarkt:

Der Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages hat heute die Vorlage für das Gesetz zur Berufszulassung für Immobilienmakler und -verwalter beschlossen. Morgen finden die 2. und die 3. Lesung mit der Schlussabstimmung im Bundestag statt. Einer Verabschiedung des Gesetzes buchstäblich in letzter Minute steht nun wahrscheinlich nichts mehr im Wege.

Dass es wieder nur eine Gesetzesvorlage ist, die keine qualitative Besserung am Immobilienmarkt bewirkt, wird selbstverständlich nicht verlautbart.

Der deutlich geforderte Sachkundenachweis für Immobilienmakler kommt hierin noch immer nicht vor. Das ist katastrophal für alle Immobilienkunden und somit Verbraucher. Denn  der aktuelle Status ist Folgender: Ein Maurer, der sich selbständig macht, muss einen Meistertitel vorweisen. Das ist ja auch gut so. Ein Immobilienmakler, der durch unqualifiziertes Vorgehen echte Vermögensschäden anrichten kann, braucht nicht einmal eine kaufmännische Ausbildung, um das Gewerbe auszuüben.

Der IVD, Immobilienverband Deutschland, ist zu Beginn dieser Legislaturperiode (das ist nun fast vier Jahre her) mit einem angeblich großen Forderungskatalog bezüglich dieses Gesetzes an das Bundesministerium für Wirtschaft herangetreten. Von allen Forderungen, unter anderem die Einführung des Sachkundenachweises, ist für Immobilienmakler durch dieses Gesetz nur eine geradezu lächerliche Neuerung enthalten: Der selbständige Immobilienmakler und seine Mitarbeiter haben alle drei Jahre einmal nachzuweisen, dass sie in den vergangenen drei Jahren mindestens 20 Stunden in Fortbildungsmaßnahmen verbracht haben. Damit die Immobilienmakler auch nicht überfordert werden, muss dieser Nachweis erstmals im Jahr 2021 erbracht werden. Das ist, mit Verlaub, geradezu verbraucherverachtend! Die Forderung nach einem Schutz vor schwarzen Schafen am Immobilienmarkt ist Jahrzehnte alt und dann wird ein dermaßen schwacher Gesetzentwurf vorgelegt.

Als Immobilienmakler mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum Immobilienkaufmann und der Erfahrung aus 20 Jahren selbständiger Tätigkeit versichere ich Ihnen: Wenn wir uns nicht regelmäßig qualifiziert fortbilden würden, wären wir schon lange nicht mehr am Markt! Das ist doch eine Selbstverständlichkeit! Dafür muss unsere Regierung nicht vier Jahre mit dem IVD „verhandeln“. Für die Immobilienverwalter wurden immerhin leichte Änderungen im Gesetzentwurf aufgenommen. Aber auch hier ist es lange nicht ausreichend, wenn man sich vergegenwärtigt, mit welchen Fremdvermögen diese tagtäglich umgehen.

Es ist mehr als bedenklich, dass der IVD in Zusammenarbeit mit dem BMWi nicht in der Lage war, im Interesse der Verbraucher, aber auch im Interesse der seriösen Fachleute am Immobilienmarkt, eine lange überfällige Reglementierung für die Zulassung von Immobilienmaklern und -verwaltern auszuhandeln. Seit Jahrzehnten wird diesbezüglich gefordert, besprochen, diskutiert, verhandelt, vorgeschlagen und verworfen. Mit diesem Gesetzentwurf wurde für sehr lange Zeit eine echte Chance leichtfertig vertan.

Der IVD äußert sich tatsächlich auch noch so, dass jetzt wirklich nur noch seinen Mitgliedern vertraut werden könne. Sehr geehrter Herr Präsident Schick, damit können Sie die wirklichen Fachleute am Markt – trotz Ihrer fragwürdigen Verhandlungs-Strategie dem BMWi gegenüber – doch nicht verunsichern! Die Kunden sind auch nicht so naiv, wie Sie immer noch zu glauben scheinen. Wir sind nach dem heute vorgelegten Gesetzentwurf mehr denn je der festen Überzeugung, dass Sie mit aller Kraft Ihre Mitglieder schützen wollen, von denen doch der weitaus größere Teil ohne immobilienspezifische Ausbildung tätig ist? Wenn Sie in vier Jahren Verhandlungen und einem inakzeptablen Ergebnis kurz vor Ende der Legislatur resümieren, das sei ein Erfolg Ihrer langjährigen Arbeit, dann kann ich nur daraus schließen, dass Sie genau dieses Ergebnis wollten. Es hilft auch nicht, wenn Sie in Ihrer Stellungnahme darauf verweisen, dass dieses Ergebnis nur ein Anfang sein kann. Wie viel Zeit soll denn noch vertan werden?

Mit diesem Ergebnis haben Sie dem deutschen Immobilienmarkt insgesamt einen Bärendienst erwiesen.

Kay Lüneburg

Immobilienkaufmann

 

P.S.: Wenn Sie jetzt noch die Darstellung des IVD zum gleichen Thema lesen möchten, dann finden Sie unter folgendem Link die offizielle Stellungnahme des IVD-Präsidenten Jürgen Michael Schick:

Stellungnahme des IVD

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